Johann Caspar Bodmer und seine Stephanie

Der gescheiterte Pionier

Der aus Zürich stammende Tuchscherer Johann Caspar Bodmer gründete 1812 in Konstanz eine Spinn- und Webfabrik. Als er auf einer Geschäftsreise im Ärmelkanal ein Dampfboot sah, erkannte er sofort das Potential von Dampfmaschinen für Schiffsantriebe. Bodmer eignete sich Kenntnisse im Schiffsbau an, sammelte Geld von einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft und ließ 1817 in Konstanz ein Dampfboot bauen. Dieses wurde zu Ehren der badischen Großherzogin auf den Namen Stephanie getauft. Seine unzureichenden Erfahrungen im Schiffbau verteuerten jedoch den Bau des Schiffrumpfes und er konnte die in England bestellte und bereits auf dem Weg nach Konstanz befindliche Dampfmaschine nicht mehr bezahlen. Kurzerhand baute Bodmer die kleine Dampfmaschine seiner Spinnfabrik in das Boot ein und am 29. April 1818 absolvierte die Stephanie mit zahlreichen Ehrengästen an Bord die offizielle Jungfernfahrt nach Meersburg. Ausgereift war die technische Innovation aber noch nicht: Das Schiff schaffte nur die Hinfahrt und benötigte selbst dafür geschlagene vier Stunden. Auf der Rückfahrt fiel die überlastete Dampfmaschine aus und die Passagiere mussten zu den Rudern greifen. Bodmer war wirtschaftlich ruiniert und floh vor seinen Gläubigern nach Württemberg. Die verwaiste Stephanie wurde 1821 versteigert und abgewrackt. Die kurze Dienstzeit brachte ihr den Spottnamen „Steh-fahr-nie“ ein.

Risszeichnung des Dampfboots Stephanie, 1807
Stadtarchiv Konstanz ZI Sammlung Wolf H37/1347

Das Dampfboot wurde im Mai 1817 auf dem Schiffmacherplatz beim ehemaligen Kloster Petershausen bei Konstanz auf Kiel gelegt. Das Holz für den Schiffsrumpf und für die Aufbauten bezog Bodmer gegen Rechnung aus den Staatswäldern Badens, den Dampfkessel baute er selber, Schwungrad und weitere Teile der Maschine bestellte er im württembergischen Hüttenwerk Wasseralfingen.

Phantombild der Stephanie
Grafik Erich Hoffmann

Am 29. April 1818 fuhr die Stephanie als erstes Dampfschiff auf dem Bodensee von Konstanz nach Meersburg. Das rund 21 m lange und 6 m breite Boot konnte 60 Passagiere aufnehmen. Unter Deck gab es zwei Kajüten. Von dem Boot gibt es keine zeitgenössischen Darstellungen.

Wer war Johann Caspar Bodmer ?

Johann Caspar Bodmer (1776 – 1827) wurde vielfach als unseriöser Unternehmer und Erfinder beschrieben und verspottet. Ohne Zweifel war er aber ein kreativer und rastloser, permanent von seinen Ideen und Visionen getriebener Ingenieur, der manchmal auch bis an die Grenze des Legalen ging und dabei auch große, nicht immer der Wahrheit entsprechende Versprechungen machte. Wenn man sich die Stationen seines Lebens ansieht – Zürich, Niederlande, Russland, Bayern, Stuttgart, Ludwigshall, Bruchsal, Wien, Budapest, Paris und London – so wirkt sein Leben sehr unstet. Immer wieder versuchte er sich an neuen Einsatzmöglichkeiten von Dampfmaschinen, zum Schluss beschäftigte er sich in Ungarn sogar mit einer „Einschienenbahn“. Im kaufmännischen Bereich fehlten ihm allerdings die notwendigen Kenntnisse, dementsprechend scheiterte er als Unternehmer und er konnte seine Erfindungen nicht gewinnbringend vermarkten. Im Rückblick steht Johann Caspar Bodmer ungeachtet seines Scheiterns und des öffentlichen Spottes alles in allem aber die uneingeschränkte Anerkennung für sein kühnes Unternehmen zu. Der Anfang der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee ist untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Unterstützung  aus Politik und Wirtschaft

Großherzog Karl Ludwig von Baden und König Wilhelm I.

Bodmers Aktivitäten zur Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee wurden von Regierungskreisen in Baden und in Württemberg aufmerksam beobachtet.

Für sein Dampfbootprojekt konnte er einflussreiche Personen aus Politik und Wirtschaft gewinnen, darunter den Konstanzer Kreisdirektor Johann Baptist Hofer, den Konstanzer Fabrikanten und Bankier David Macaire, den Großherzog Karl Ludwig von Baden und die frühere Königin von Holland, Hortense de Beauharnais, die sich nach ihrer Verbannung auf Schloss Arenenberg zurückgezogen  hatte. Der württembergische König Wilhelm I ließ 1820 Bodmer’s in Rotterdam konfiszierte Dampfmaschine kaufen und nach Heilbronn transportieren. Als 1822 in Württemberg erstmals der Bau eines Dampfschiffes erörtert wurde, erkundigte sich König Wilhelm beim Finanzminister, ob die von Bodmer in England beschaffte Maschine noch für den Einbau in ein Dampfschiff zu gebrauchen sei. Über eine diesbezügliche Verwendung der Maschine ist aber nichts bekannt, auch nichts über ihren Verbleib.

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