Dampfschiff Wilhelm fährt von Friedrichshafen

Württemberg hat die Nase vorne

Dampfschiff Wilhelm fährt von Friedrichshafen

Nach Bodmers erstem Versuch dauerte es sieben Jahre, bis das erste Dampfschiff planmäßig auf dem Bodensee Fahrt aufnahm. Der in Bordeaux niedergelassene Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika Edward Church, der Konstanzer Fabrikant David Macaire d’Hogguer sowie der Stuttgarter Buchhändler und Verleger Johann Friedrich Freiherr von Cotta wollten die Dampfschifffahrt länderübergreifend auf dem Bodensee einführen. Dazu sollten in Friedrichshafen, Konstanz und Lindau Schiffsgesellschaften gegründet werden. Der württembergische König Wilhelm unterstützte die Unternehmung sofort, da er mit einer von Württemberg ausgehenden Schifffahrt eine Stärkung des Außenhandels mit der Schweiz erhoffte. Dagegen blieben die Bemühungen in Baden und in Bayern wegen fehlender staatlicher Unterstützung erfolglos. Im Frühjahr 1824 legte die Dampfschiffahrtsgesellschaft Friedrichshafen zwei Dampfboote auf Kiel. Bereits im November desselben Jahres unternahm das Dampfschiff Wilhelm seine ersten Fahrten auf dem Bodensee und am 1. Dezember wurde der Kursverkehr zwischen Friedrichshafen und Rorschach aufgenommen. Somit markiert der 1. Dezember 1824 den offiziellen Beginn der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee.

Johann Friedrich Freiherr von Cotta (1764-1832)

Der Stuttgarter Verleger und Politiker Cotta war maßgeblich beteiligt an der Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee. Dank seiner guten Beziehungen zu König Wilhelm I. wurde die württembergische Dampfschifffahrt von Anfang an vom Staat subventioniert. Zur Beschleunigung des Vorhabens ließ König Wilhelm kurzerhand alle in Friedrichshafen beheimateten Lastensegler aufkaufen und den acht Schiffsleuten und ihren Familien eine lebenslange Pension von jährlich 450 Gulden auszahlen. Die Schifffahrtsrechte gingen an den Staat über, der diese wiederum gegen eine geringe Gebühr der neuen Dampfschiffahrtsgesellschaft Friedrichshafen übertrug.

König Wilhelm I. von Württemberg (1781-1864)
Ölgemälde Joseph Carl Stiegler

Als Wilhelm I. 1816 König von Württemberg wurde, war das Land ein rückständiger Landwirtschaftsstaat, in dem Not und Armut herrschte. König Wilhelm I. war sehr daran interessiert, Wirtschaft und Verkehr in seinem Land zu verbessern. Er förderte den Schiffsverkehr auf Neckar und Bodensee und favorisierte den Bau von Eisenbahnstrecken anstelle der damals üblichen Wasserkanäle.

Dampfschiff Wilhelm in Friedrichshafen
Eberhard Emminger

Das Dampfschiff Wilhelm war für den Nord-Süd-Querverkehr zwischen Friedrichshafen und Rorschach, dem damals bedeutendsten Schweizer Hafen am Obersee, vorgesehen. Es war 32 m lang, rund 11 m breit und konnte 124 Personen befördern. Die Leistung der englischen Dampfmaschine betrug 21 PS.

Dampfschiff Wilhelm, vermutlich 1850er Jahre

1828 war nach vier Jahren zuverlässigem Dauerbetrieb die hölzerne Schiffsschale aufgrund der starken Stoß- und Rüttelbewegungen der einzylindrigen Dampfmaschine verschlissen und eine vollständige Schiffserneuerung stand an. Mit staatlicher Unterstützung – die Eichenstämme stellte der königliche Staatsforst Bebenhausen bei Tübingen zur Verfügung – wurde das Boot restauriert.
Danach war das Dampfboot noch 20 Jahre im Dienst, in den letzten war es aber nur noch als Reserveschiff eingesetzt, da aufgrund seiner schwachen Maschine nicht mehr mit den neuen Dampfschiffen konkurrieren konnte. Wegen seiner langsamen und schwankenden Fahrweise erhielt es den Spitznamen „Seeschneck“.

 

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