Die Lindauer Schifferzunft und die Dampfschiffe

Lädinen gegen Max Josef

Zwei Tage nach Aufnahme der Kursfahrten des Wilhelm zwischen Friedrichshafen und Rorschach nahm am 3. Dezember 1824 das zweite Friedrichshafener Schiff, das zu Ehren des bayerischen Königs Max Joseph getauft worden war, erstmals Kurs nach Lindau. Im Hafen der Inselstadt wurde der Dampfer unter Böllerschüssen von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt und bestaunt. Trotz des begeisternden Empfangs gelang es Friedrich Cotta aber nicht, sein Dampfschiff in Lindau zu stationieren. Die vom bayerischen König Max I. Joseph erteilte Konzession für ein Schifffahrtsunternehmen galt nur mit der Einschränkung, dass die Rechte der Lindauer Schifferzunft gewahrt blieben. Und diese war mit 48 Familien die mit Abstand größte am See, wesentlich größer als diejenigen in Friedrichshafen und in Konstanz. Mit dem Aufkauf der Abfuhrrechte wäre die ohnehin schon klamme Staatskasse des Königreichs Bayern deutlich mehr strapaziert worden als dies in Württemberg der Fall gewesen war. Damit hätte sich Cotta’s Dampfschiff von Anfang gegen eine starke Konkurrenz der einheimischen Schiffsleute behaupten müssen. Daher wandte sich Cotta vom bayerischen Lindau ab und wählte stattdessen das badische Konstanz zum Heimathafen.

Planskizze des Dampfbootes Max Joseph
Archiv Bodenseeschifffahrt

 

 

Phantombild  des Dampfbootes Max Joseph
Erich Hofmann, Konstanz

Da die Photographie in den 1820er Jahren noch nicht entwickelt war, gibt es auch vom Max Joseph kein Foto.

In Lindau wehrte sich die Schifferzunft gegen die Einführung der Dampfschifffahrt. Zudem traute man Dampfmaschinen nicht und hatte Angst vor Feuer und Explosionen. In Konkurrenz zu Dampfschiffen baute der Lindauer Kaufmann Johann Conrad Schnell 1825 ein Handmaschinenschiff ohne Feuer und Dampf. Das Boot war eine Mischung aus Segelschiff und Schaufelradboot, bei dem zwei seitlich am Rumpf angebrachte Schaufelräder mit einer Handkurbel schweißtreibend gedreht werden mussten. Schnell beabsichtigte damit einen regelmäßigen Schiffsdienst zwischen Lindau und Rorschach, ja sogar bis Konstanz zu betreiben. Nach nur vier Jahren war diese skurrile Episode vorbei.

Erste Ankunft von Dampfschiff Max Joseph in Konstanz, 5.Dezember 1824
Nicolaus Hug

Aufgrund der unzureichenden politischen Unterstützung durch den bayerischen König Max Joseph verlegte Cotta sein Schiff Max Joseph ins badische Konstanz. Der badische Großherzog Ludwig I. hoffte, mit dem Schiff den Handel am Bodensee zu entwickeln.

Ludwigshafen, um 1826
Lithographie J.F.Wehrle

Ausgangshafen für Max Joseph war Ludwigshafen (ehemals Sernatingen) am Überlinger See, das mit seiner verkehrsgünstigen Lage im Schnittpunkt der wichtigsten West-Ost- und Nord-Süd-Routen damals für Baden der wichtigste Speditions- und Handelshafen am Bodensee war. Am deutschen Bodenseeufer konnte Sernatingen lange Zeit seine Vorrangstellung sogar gegenüber Friedrichshafen und Konstanz behaupten. 1824 wurde die Sernatinger Schiffslände auf Staatskosten mit Mole, Holzsteg, Kran, Lager- und Zollhaus zum Dampfschiffhafen ausgebaut, dabei erhielt der Ort auch seinen heutigen Namen Ludwigshafen, für den der badische Landesherr Pate stand.

Dampfschiff Max Joseph vor Überlingen, 1826
Gouache Johann Sebastian Dürr

Das Dampfboot Max Joseph konnte ab Mai 1825 von Ludwigshafen aus planmäßig im West-Ost-Längsverkehr über den gesamten See nach Überlingen, Konstanz, Rorschach, Bregenz und Lindau fahren.
Der gekrümmte Aufsatz auf dem Kamin wurde im Sommer 1826 eingebaut, nachdem beim Heizen im Überlinger Hafen durch Funkenflug ein Haus in Brand gesteckt wurde. Das Bild verdeutlicht die starke Konkurrenz der Frachtensegler. Auf dem Öl-Aquarell sind insgesamt neun Lastensegler aller Größen zu finden, im Vordergrund fährt eine Pferdekutsche entlang des Ufers.

Dampfschiff Max Joseph in Konstanz, um 1825
Lithographie Eberhard Emminger

Von Konstanz aus erreichte Max Joseph über den Rhein auch Schaffhausen. Allerdings waren die Fahrten stromaufwärts zurück nach Konstanz ein wahres Martyrium für Schiff und Mannschaft. Oftmals war die schwache Dampfmaschine den starken Strömungen nicht gewachsen, bei niedrigem Wasserstand drohte das Schiff auf Sandbänken aufzulaufen und bei Hochwasser waren die niedrigen Brücken unpassierbar. Nach vier Jahren Dauerbetrieb musste Cotta sein Unternehmen aufgeben, denn wie beim Wilhelm war der hölzerne Rumpf durch die starken Stoß- und Rüttelbewegungen der Dampfmaschine völlig verschlissen. Da er im Gegensatz zum Friedrichshafener Unternehmen keine Staatshilfe bei der Schiffsrestaurierung erhielt, ließ er das Boot 1830 abwracken.

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