Das erste Lindauer Dampfboot

Ein Schiff aus Eisen

Die erste Geschäftshandlung der Lindauer Dampfboot-Gesellschaft war die Beschaffung eines Dampfschiffes. Da die bis dato verwendeten Holzrümpfe wegen der Vibrationen der Dampfmaschine nur wenige Jahre hielten, wollte man das Schiff mit einer stabilen Eisenschale bauen. Vorbild war das Dampfschiff Minerva auf dem Zürichsee, das als erstes stählernes Dampfschiff auf einem mitteleuropäischen Binnensee in Dienst gestellt worden war. Da es eine Eisenverhüttung in Bayern noch nicht gab und auch die Schiffbautradition erst in den Anfängen stand, gab man das das Dampfschiff bei der Manchester Firma William Fairbairn & Sons in Auftrag. Von dort verschiffte man es in Einzelteile zerlegt über die Nordsee nach Rotterdam und weiter auf dem Rhein nach Mannheim. Der anschließende Landweg über den damals noch unwegsamen Schwarzwald zum Bodensee wurde mühsam mit Ochsenkarren absolviert. Von Ludwigshafen aus wurden die Bootsteile mit Frachtenseglern nach Lindau transportiert.

Zusammenbau des Dampfboots Ludwig,  1837
DB Museum Nürnberg

Der Zusammenbau des zu Ehren des bayrischen Königs auf den Namen Ludwig getauften Dampfbootes erfolgte im Lindauer Außenhafen, am so genannten Fuchsloch. Beim Stapellauf am 6. September 1837 hatte die Gesellschaft für die Aktionäre und die Ehrengäste drei Tribünen gebaut, das „weitere Publikum“ konnte dem Schauspiel von der Mole am Mangturm und von Segelschiffen aus zusehen. Zur Bekräftigung der badisch-bayerischen Kooperation waren aus Konstanz die Dampfer Helvetia und Leopold nach Lindau mit weiteren Ehrengästen angefahren, aus Friedrichshafen stieß der Wilhelm dazu. Als Ludwig zu Wasser gelassen werden wurde, brach jedoch der aus hölzerne Stapelschlitten und der Bootsrumpf setzte mit dem Heck auf dem Festland auf. Mit Hilfe der Helvetia konnte der Havarist aber ins Wasser geschleppt werden. Ein zuschauender Schiffsmann soll gemurmelt haben: „Ise isch ise und ise schwimmt ‘it“ (Eisen ist Eisen und Eisen schwimmt nicht). Immerhin hatte der Eisenrumpf keinen Schaden genommen, der Einbau der Dampfmaschine und der weitere Ausbau des Bootes erfolgten ohne weitere Zwischenfälle.

Dampfboot Ludwig vor Mangturm im Hafen Lindau, vermutlich um 1850
Stadtarchiv Lindau

Der Glattdeckdampfer Ludwig war das erste Dampfschiff auf dem Bodensee mit Eisenrumpf und mit rund 37 m auch das größte und, angetrieben von einer 40 PS-Dampfmaschine, schnellste Schiff auf dem See. Zusätzlich war eine Segeleinrichtung vorhanden, die aber nie zum Einsatz kam. Das Schiff konnte 450 Personen an Bord nehmen.

Phantombild Dampfboot Ludwig
Grafik Erich Hoffmann 1975

Da man damals noch kein volles Vertrauen in Dampfmaschinen hatte, wurde das erste Lindauer Dampfschiff mit zwei Segelmasten ausgestattet. Soweit bekannt, mussten diese aber nie verwendet werden, da die Dampfmaschine zuverlässig ihren Dienst tat, sie wurden dann offensichtlich bald abgebaut. Nach 24 Jahren im Einsatz sank der Ludwig am 11. März 1861 nach einer Kollision mit der Stadt Zürich vor Altenrhein, wurde wieder gehoben und unter dem Namen Rorschach bis 1869 eingesetzt 

Die gefahrvolle „Lustschifffahrt“
Postkarte Sammlung W.Schlegel

Dampfboot Ludwig übernahm den regelmäßigen Kursverkehr von Lindau über Rorschach nach Konstanz und zurück. Zusätzlich gab es Sonderfahrten mit geladenen Gästen. Am 18. Juli 1841 kam es fast zu einer Katastrophe, als Mitglieder mehrerer Lindauer Vereine eine „Lustfahrt“ nach Konstanz unternahmen. Da die Gruppe zu groß war, wurde der Schleppkahn Merkur mit 70 Passagieren an den mit 400 Personen besetzten Ludwig angehängt. Unterwegs geriet der Schleppverband in einen orkanartigen Föhnsturm. Das Schlepptau riss und der Kahn wurde durch die Wellen mit dem Bug auf den rechten Radkasten der Ludwig geschleudert. Obwohl beide Schiffe beschädigt waren, gelang es der Mannschaft, den treibenden Merkur wieder anzuleinen und die Fahrt fortzusetzen. Aus Dank für den glücklichen Ausgang gründeten die Passagiere nach ihrer Rückkehr die „18.-Juli-Stiftung“, welche jedes Jahr an besagtem Tage eine Armenunterstützung durchführte. Außerdem gedachte man an jedem auf den 18. Juli folgenden Sonntag im Hauptgottesdienst beider Konfessionen des Schiffsunglücks und der glücklichen Rettung aus Seenot.

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