Die Gründung der Dampfboot-Actiengesellschaft in Lindau

Ein dringendes Bedürfnis

In den 1830er Jahren drohte die Inselstadt den Anschluss zu verlieren, da im Gegensatz zu Friedrichshafen und Konstanz der Handelsverkehr noch mit Lastenseglern betrieben wurde. Der Anblick des badischen Dampfschiffs Helvetia in einem bayerischen Hafen brachte die Lindauer Kaufleute aber allmählich zu der Einsicht, dass die Zukunft der Bodensee-Schifffahrt nicht mit Frachtenseglern, sondern mit Dampfbooten zu gestalten war. In der Nachbarstadt Friedrichshafen war eine gefährliche Konkurrenz entstanden, denn der seit nunmehr 10 Jahren Tag für Tag zwischen Friedrichshafen und Romanshorn verkehrende Dampfer Wilhelm zog zunehmend mehr Gütertransporte in die Schweiz von Lindau ab. Der Lindauer Magistrat kam zu dem Ergebnis: Die Benützung eines eigenen Dampfschiffs ist für den hiesigen Platz ein dringendes Bedürfnis. Am 26. April 1835 fanden sich 129 Personen, darunter Vertreter der Stadt und der Stände, zusammen und gründeten die Dampfboot-Actiengesellschaft in Lindau als dritte Schifffahrtsgesellschaft am Bodensee. Am 1. Januar 1838 nahm die Gesellschaft ihre Geschäftstätigkeit auf.

Phantombild Dampfschiff Leopold
Grafik Erich Hofmann Konstanz

Dampfschiff Leopold lief am 15. Oktober1831 vom Stapel. Neun Jahre lang verkehrte es im Nord-Süd-Querverkehr auf Obersee und Überlinger See, danach wurde es abgebrochen. Das Schiff war etwa gleich groß wie der Wilhelm, hatte aber eine leistungsstärkere Dampfmaschine.

Phantombild Dampfschiff Helvetia
Grafik Erich Hofmann Konstanz

Die Helvetia übernahm den West-Ost-Längsverkehr vom Überlinger See bis Bregenz und Lindau sowie auf dem Rhein von Konstanz bis Schaffhausen. Mit der Namensgebung wollte man der Hoffnung auf freundschaftliche Handelsbeziehungen mit der Schweiz Ausdruck verleihen.

Dampfschiff Helvetia auf dem Rhein bei Diesssenhofen, 1840
Stadtarchiv Stadt Schaffhausen

Auf der ersten Fahrt nach Schaffhausen am 26. Juni 1832 wäre die Helvetia trotz des mit der Schaffhausener Schifferzunft abgeschlossenen Abkommens beinahe Opfer eines Sabotageaktes geworden. Bereits bei der Ankunft warteten aufgebrachte Schiffsleute auf dem Molo. Kaum hatte das Schiff angelegt, warfen einige Hitzköpfe die Leinen wieder los, um das neue Schiff Richtung Rheinfall treiben zu lassen, wo es unweigerlich in den Wasserfällen zerschellen musste. Da die Dampfmaschine noch unter Feuer war, reichte der Kesseldruck für ein Wendemanöver und für die Fahrt gegen die Strömung ins badische Büssingen.
Die Rädelsführer wurden vor Gericht gestellt und verurteilt. Nach diesem Vorfall konnte die Helvetia aber ohne Zwischenfälle in Schaffhausen anlegen. Im Übrigen hatte auch das Schiff, wie zuvor der Max Joseph, mit den Widrigkeiten des Rheins zu kämpfen, meisterte diese aber dank umsichtiger Schiffsführung und einer stärkeren Maschine anstandslos. Unfälle gab es keine und die betrieblichen Ergebnisse entwickelten sich zufriedenstellend.

 

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