Der Lindauer Kapitän Georg Riesch

Ein Leben für die Schifffahrt

Kapitän Riesch war bemerkenswert lange im Dienst. Als er am 22. November 1838 geboren wurde, begann das erste Lindauer Dampfboot Ludwig seine Kursfahrten auf dem Bodensee. 1852 trat Riesch als Schiffsjunge in den Dienst der Lindauer Dampfboot-Aktiengesellschaft. Sein erstes Schiff war die Merkur, die als Postschiff auf dem Kurs Lindau – Schaffhausen eingeteilt war. Drei Jahre später stieg Riesch zum Matrosen auf, dann zum Kassier und 1860 schließlich zum Steuermann. Als solcher verrichtete er Dienst auf dem Dampfboot Ludwig, das am 11. März 1861 von dem Schweizer Dampfer Stadt Zürich gerammt wurde. Riesch überlebte das Unglück zusammen mit Kapitän Gerber und Matrose Lanz. Auch auf der Jura hatte er Dienst als Steuermann, als diese am 12. Februar 1864 nach Kollision mit der Stadt Zürich unterging. An beiden Unfällen hatte er keine Schuld. Nach 54 Jahren Dienstzeit trat Riesch am 1. März 1906 in den Ruhestand. Er ist Träger der silbernen und der goldenen Verdienstmedaille der bayerischen Krone und des Luitpoldkreuzes, Riesch verstarb am 9. März 1936.

Kapitän Georg Riesch (1838-1936)

Er war Kapitän auf verschiedenen Lindauer Dampfschiffen. So auf der Bavaria und auf der Lindau. Am 10. März 1874 rettete er die Besatzung eines vor Langenargen im Sturm gesunkenen Segellastschiffs, drei Jahre später die Mannschaften von in Not geratenen Fischerbooten. Eine ungewöhnliche Fahrt musste Riesch am 27. August 1874 unternehmen, als rund 1.000 Personen im Lindauer Hafen das Dampfschiff Bavaria stürmten, um mit dieser zum Gebhardsfest nach Bregenz zu fahren. Die Bavaria war aber nur für 400 Personen zugelassen. Da die Fahrgäste sich weigerten, das Schiff zu verlassen, blieb Riesch nichts anderes übrig, als die Fahrt anzutreten. Der Rumpf der Bavaria tauchte tief bis zu den Bullaugen in das Wasser ein, aber dank der vorsichtigen Schiffsführung von Kapitän Riesch erreichte das Schiff wohlbehalten den Bregenzer Hafen.

Dampfschiff Bavaria im Hafen Romanshorn, 1870er Jahre
Fotostiftung Schweiz Winterthur, gemeinfrei

Dampfschiff Bavaria wurde 1869 von der Firma Gebr. Sulzer (Winterthur) gebaut. Georg Riesch war der erste Kapitän des konventionellen Glattdeckdampfers. Das Personal musste damals ziemlich abgehärtet gewesen sein, denn sowohl der Kommandostand über den Radkästen als auch der Steuerstand am Heck waren nicht überdacht. Das Foto zeigt auch, dass die Dampfschiffe damals vor allem für den Gütertransport verwendet wurden (hier Holzbretter), die Mitnahme von Fahrgästen stand nicht im Mittelpunkt. Gleichwohl war die Bavaria für 400 Passagiere zugelassen.

DS Ludwig II und DS Maximilian im Lindauer Hafen, 1890er Jahre
DB Museum Nürnberg

Gegen Ende der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ kam es in den 1890er Jahren regelmäßig zu starken und lang anhaltenden Dauerfrösten, in deren Folge die Häfen und Teile des Sees zufroren.


Die Eisfahrt der Bavaria 

Legendär ist die Winterfahrt der Bavaria während der Seegfrörne 1879/1880. Da das Lindauer Betriebsamt den Kursverkehr unbedingt aufrechthalten wollte, sollte Riesch am 1 .Februar fahrplanmäßig von Lindau nach Konstanz fahren. Die Bavaria legte frühmorgens in Lindau ab, aber bereits die erste Station Wasserburg konnte wegen geschlossener Eisdecke nicht angefahren werden und Riesch nahm direkten Kurs nach Langenargen. Aufgrund des Eisgangs dauerte die Fahrt vier Stunden. In Langenargen glücklich angekommen, erhielt Riesch die Order, über Nacht sicherheitshalber im Hafen zu bleiben, denn Konstanz war keinesfalls mehr vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen. Am nächsten Morgen setzte die Bavaria die Fahrt fort. Bis Friedrichshafen verlief die Fahrt noch ohne Zwischenfälle, aber die Weiterfahrt Richtung Immenstaad war durch Nebel und Treibeisfelder erschwert. Dennoch wurde der Anleger Hagnau sicher erreicht. Auf der Weiterfahrt nach Konstanz war der Nebel so dicht, dass von der Kommandobrücke kaum mehr der Schiffsbug zu sehen war. Auf Seemitte rammte die Bavaria plötzlich in festes Eis. Riesch ließ die Maschine stoppen und versuchte mit Rückwärtsfahrt aus dem Packeis zu manövrieren, was nach mehreren Versuchen auch gelang. Mit langsamer Fahrt wurde am Abend endlich der Zielhafen Konstanz erreicht. In den nächsten Tagen änderten sich Wetterlage und Eisverhältnisse nicht, so dass an eine Rückfahrt nicht zu denken war. Das Schiff verblieb ganze drei Wochen bis zum 20. Februar 1880 im Konstanzer Hafen. Die Besatzung fuhr mit dem Zug zurück nach Lindau.

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