Kohlen schippen bei 42 Grad Celsius

Schwerstarbeit im Maschinenraum

Die Mannschaft eines Dampfers bestand in der Regel aus 10 Mann; dies waren Kapitän, Steuermann, Untersteuermann, Kassier, zwei Matrosen und ein Schiffsjunge. Im Maschinenraum waren ein Maschinist und zwei Heizer tätig. Hinzu kam noch das Servicepersonal für die Fahrgäste. Der Kapitän als verantwortlicher Schiffsführer und „Hausherr“ besitzt bis in die heutige Zeit die Bordgewalt. Er trägt die Verantwortung für das Schiff, die Navigation sowie die Sicherheit an Bord für Passagiere und Ladung.

 

 

Schiffsrolle für die Dampfschiffe, ca. 1910
Sammlung Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau,
aus dem Nachlass Otto Ring

Die Aufgabenverteilung für das Schiffspersonal war in sogenannten Rollentafeln festgelegt. In diesen wurde genau beschrieben, was die einzelnen Mannschaftsmitglieder vor, während und nach der Fahrt sowie im Falle einer Havarie zu tun hatten. Entsprechende Anweisungen gab es für Dampfschiffe, die Dampftrajekte, die Trajektkähne und die Güterschleppboote. Die Schiffsrollen waren Teil der Dienstanweisung für den Betrieb der Bodensee-Dampfschiffahrt, die von allen am Bodenseeverkehr beteiligten staatlichen Schifffahrtsverwaltungen gemeinsam erarbeitet wurden.

 

Dienstuniformen Schiffspersonal der frühen Württembergischen Staatsbahnen, 1887
Sammlung Verein aus dem Nachlass Gerd Kubas

Die Kapitäne der frühen württembergischen Dampfschifffahrt trugen einen Ziersäbel. Die nautische Führung des Schiffes oblag allerdings dem Steuermann, der Kapitän war eigentlich nur ein „Scheinkapitän“, der  für die Geschäftsführung und Beaufsichtigung der Ladung zuständig war.

 

Schiffskapitän der Deutschen Bundesbahn, um 1950
Bundesbahndirektion Karlsruhe

Auf den frühen Dampfschiffen musste der Kapitän die Kommandos in den Maschinenraum mittels eines Sprachrohrs geben. Später erfolgte die Befehlsübermittlung über Maschinen-Telegraphen.

 

 

 

 

Kassier Otto Ring, ca. 1960
Sammlung Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau
aus dem Nachlass Otto Ring

 

 

 

Hilfsmatrose Alois Lehner, 1950
Sammlung Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau
aus dem Nachlass Alois Lehner

Das Foto zeigt den Lindauer Lokomotivführer Alois Lehner als diensttuenden Hilfsmatrosen auf dem Dampfschiff München. Alle angehenden Lokomotivführer waren im Laufe ihrer Ausbildung in der Lindauer Werft als Hilfsarbeiter und auf den Schiffen als Hilfsmatrose, auch Decksjunge genannt, eingesetzt. Ungeachtet der schmucken Uniform war der Hilfsmatrose das rangniedrigste Besatzungsmitglied an Bord. Für ihn gab es keine gesonderte Dienstanweisung, er musste vielmehr alle untergeordneten Hilfsdienste übernehmen. Dazu gehörten zum Beispiel das Läuten der Schiffsglocke, die Müllentsorgung und die wenig beliebte Reinigung der Schiffstoilette.

Heizer im Maschinenraum, um 1950 Sammlung Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau
aus dem Nachlass Gerd Kubas

Im Gegensatz zur eleganten Erscheinung der Schiffe stand die anstrengende und schmutzige Arbeit der Maschinisten und Heizer. Während der Fahrt mussten diese zur Erhaltung des Dampfdrucks den Feuerkessel ständig mit Kohlen beschicken. Bei den damaligen Fahrgeschwindigkeiten betrug der Kohlenverbrauch etwa 500 kg pro Stunde! Jedes Schiff hatte zwei Heizer an Bord, die einander ablösten. Der pausierende Heizer hatte aber nicht frei, sondern musste für seine weitere Ausbildung zum Maschinisten, Steuermann oder Kapitän lernen. Jeder Bodensee-Schiffskapitän begann damals seine Laufbahn im Maschinenraum, so auch der Lindauer Kapitän Gerd Kubas, der auf dem Foto rechts zu sehen ist.

 

Heizer und Maschinisten im Lindauer  Hafen, um 1935
Sammlung Weingärtner

Auf den Langstrecken im West-Ost-Verkehr waren die Schiffe täglich 8 Stunden unterwegs, hinzu kamen bis zu 4 Stunden Liegezeiten in den Häfen und an den Landestellen. Wenn das Schiff auch am nächsten Tag eingesetzt werden sollte, musste der Heizer das Feuer über Nacht als sogenanntes Ruhefeuer in Gang halten, damit der Kessel warm blieb und der Dampfdruck auf 2-3 atü gehalten wurde. Damit konnte das Schiff am nächsten Morgen durch kurzes Aufheizen in Betriebsbereitschaft gebracht werden. Nur bei längerer Abstellung des Schiffs ließ man das Feuer im Kessel ausgehen. Bei kaltem Kessel dauerte das Anheizen etwa 10-12 Stunden. Der Heizer musste dann bereits sehr früh am Morgen seinen Dienst antreten, um den Kessel bis zur Abfahrt unter Dampf zu bringen. Auf dem Foto sind die Lindauer Julius Spöttl, Hans Schöner, S. Hösle und Sepp Buck zu sehen.

Maschinist Werner Hillermeier auf Dampfschiff Bavaria II, 1955
Sammlung Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau
aus dem Nachlass Werner Hillermeier

Der Maschinist war nach dem Kapitän der zweitwichtigste Mann an Bord. Er steuerte die Dampfmaschinen, kontrollierte die Öllager der Pleuelstangen und beaufsichtigte die Heizer beim Feuern der Kessel. Werner Hillermeier war nach seiner Ausbildung jahrzehntelang als Kapitän der Bodensee-Schifffahrt tätig.

|| Über unser Museum

Als Knotenpunkt nationaler und internationaler Strecken ist Lindau der herausragende Ort der Mobilitätsgeschichte der Bodenseeregion. Unser Verein “Eisenbahn – und Schifffahrtsmuseum Lindau (Bodensee) e.V.” will die Lindauer Verkehrsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts mit Ausstellungen, Veröffentlichungen und Zeitzeugen-Erzählungen in Erinnerung halten.

|| SEITEN

|| KONTAKT

|| historische fotos

|| urheberrecht historischer fotos

Wir schätzen jedes der von uns ausgestellten Werke sehr und möchten daher auch jedem der Künstler die angemessene Wertschätzung entgegen bringen.  Leider ist es uns bei vielen der historischen Fotos nicht möglich gewesen, den Urheber zu ermitteln. Sollten Sie sich in einem der Werke als Urheber wiedererkennen, bitten wir darum, dass Sie sich schnellstmöglich bei uns melden. Dann können wir Sie namentlich unter dem jeweiligen Foto erwähnen.

|| Mitglied werden

Sie möchten Teil unseres Vereins zur Erhaltung der Geschichte des Verkehrs werden? Dann melden auch Sie sich sehr gerne hier an:

Copyright © 2026 Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau e.V.
Alle Rechte vorbehalten.