Deutsche Schiffe unter reichsdeutscher Flagge

Kaiser und Könige verschwinden vom See

Nach dem Ersten Weltkrieg waren die königlich-luxuriösen Zeiten vorbei. Am Heck der deutschen Schiffe wehten nicht mehr die Landesflaggen des Großherzogtums Baden beziehungsweise der Königreiche Bayern und Württemberg, sondern die schwarz-weiß-rote Reichsflagge. Die ehemals königlich oder kaiserlich benannten Dampfer erhielten neutrale Städtenamen. Allerdings war der Schiffsverkehr aufgrund Personalmangel und fehlender Brenn- und Schmierstoffe weitgehend eingestellt. Auch waren die Schiffe kaum fahrbereit, denn in den zurückliegenden Kriegsjahren konnten nur die notwendigsten Pflege- und Reparaturarbeiten ausgeführt werden. In der Nachkriegszeit gingen Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten wegen der Hyperinflation nur langsam vonstatten. Erst mit Einführung der Reichsmark im November 1923 begannen sich die Zustände zu normalisieren. Während im 19. Jahrhundert Urlaubsreisen noch der gesellschaftlichen Oberschicht vorbehalten waren, konnten nun auch große Teile der Bevölkerung Wochenendausflüge und kurze Erholungsreisen machen. Die mit der Eisenbahn ermöglichte Mobilität führte zunehmend Erholungssuchende und Ausflügler an den Bodensee. Ab Sommer 1925 beförderten die Dampfschiffe wieder knapp eine Million Fahrgäste, 1929 waren es bereits über zwei Millionen.

 

Dampfschiff Bludenz, 1939
Archiv A.Dieth, Bregenz

Die Umbenennung der Schiffe begann in Österreich, das seine Schiffe nun nach Vorarlberger Städten benannte. Statt Kaiser Franz Josef I. dampfte jetzt die Dornbirn über den See, statt Kaiserin Maria Theresia die Feldkirch und aus der Kaiserin Elisabeth wurde die Bludenz. Selbst die beiden ältesten Schiffe Habsburg und Austria erhielten – obwohl sie kalt abgestellt nicht mehr unter Dampf kamen – neue Namen (Schruns und Bezau).

Dampfschiff Nürnberg in Lindau, Postkarte um 1920
Postkarte, Sammlung Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau

Auch in Bayern wurden die nach Königen benannten Schiffe umbenannt: Aus Dampfschiff Wittelsbach, das erste Salonschiff Bayerns, wurde die Augsburg, selbst das alte Dampfschiff Ludwig musste sich kurz vor seiner Ausmusterung noch zu Kempten umbenennen lassen.

 

Dampfschiff Baden in Überlingen, 1926
Sammlung R.Niemann, Lindau

Im badischen Konstanz wurde Kaiser Wilhelm in Baden I umgetauft. Hingegen durften die württembergischen Dampfer ihre angestammten Namen behalten, anscheinend stand die Stuttgarter Reichsbahn-Direktion zur Geschichte des Königshauses. Lediglich die an den Radkästen angebrachten königlichen Wappen mussten sukzessive durch neutrale Strahlenkränze ersetzt werden.

Dampfschiff München, um 1930
Postkarte Gebr. Metz

Das Dampfschiff Rupprecht wurde nach der bayerischen Landeshauptstadt umbenannt. Der Dampfer war äußerst langlebig und wurde erst 1958 abgebrochen.

 

 

Dampfschiff Lindau, Postkarte um 1907
Sammlung Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau
mit freundlicher Überlassung von A. Spangehl, Lindau

Das 1905 gebaute Dampfschiff Lindau konnte nach 1920 seinen Namen behalten. Einzig das königliche Wappen auf den Schaufelradverkleidungen musste entfernt werden.

 

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