Dampfer und Züge im Verkehrsverbund

Rauchfahnen auf dem See

1863 hatten alle Uferstaaten mit Ausnahme Österreichs von ihren Hauptstädten Eisenbahnstrecken zum Bodensee gebaut und in der Folge brachten Züge zunehmend Reisende in die Bodenseeregion. Da die Länder nur isolierte Stichstrecken zum See hatten, blieb die Dampfschifffahrt ein eigenständiger Hauptverkehrsträger. Viele der in Lindau ankommenden Reisenden fuhren mit den Dampfern weiter nach Bregenz, Rorschach, Romanshorn oder Konstanz. In allen Hafenstädten lagen die Endbahnhöfe nahe oder sogar direkt am Hafen, so dass der Umstieg von den Zügen auf die Schiffe in kürzester Zeit möglich war. Der Verbund der Verkehrsträger zu Wasser und zu Lande brachte der Dampfschifffahrt einen enormen Aufschwung. Zwischen 1850 und 1870, also innerhalb von zwei Jahrzehnten, gaben die Gesellschaften in rascher Folge 21 neue Dampfschiffe in Auftrag und bald waren überall auf dem See Rauchfahnen zu sehen.

Wettlauf der Staatsbahnen zum Bodensee 1850-1872
Kartengrundlage Stieler’s Hand-Atlas Karte Bodensee 1878; Grafik S.Stern

Die erste Bahnstrecke zum Bodensee baute das Königreich Württemberg 1847 von Ravensburg nach Friedrichshafen, der Anschluss nach Ulm erfolgte bis 1850. Bayern folgte 1853 mit der Magistrale Hof-Nürnberg-Augsburg-Lindau. Die Schweiz erreichte den See 1855 (von Zürich) und 1856 (von Wyl), die badische Eisenbahn stellte 1863 den Gleisanschluss nach Konstanz fertig. Schlusslicht war Vorarlberg, Bregenz bekam erst 1872 einen Bahnanschluss, und diesen auch nur von Bludenz aus. Der innerösterreichische Anschluss über den Arlberg nach Innsbruck gelang erst 1884.

Lindau, um 1900
Postkarte Sammlung Bönke

Da die Endbahnhöfe nahe oder direkt am Hafen lagen wurden die Hafenstädte zu effizienten Schnittstellen von Eisenbahn und Schifffahrt. Die Schifffahrtsgesellschaften richteten die Ankunft- und Abfahrtzeiten ihrer Schiffe nach den Fahrplänen der Eisenbahn. Die Postkarte zeigt den Schweizer Glattdeckdampfer Bodan, der vor der Zollhalle liegend auf die mit dem Mittagszug ankommenden Bahnreisenden wartet.

Bregenz, um 1900
Postkarte Sammlung Griebl

In Bregenz ermöglichte ein eiserner Fußgängersteg den Übergang von den aus Richtung Bludenz kommenden Zügen zum Seehafen. Vor dem Bug des Dampfschiffs ist ein unbeladener Trajektkahn zu erkennen.

Romanshorn, um 1905
Postkarte Sammlung Bönke

Der 1855 neu gebaute Seehafen in Romanshorn war damals neben Konstanz der größte Hafen am Bodensee. Wie in Bregenz liegt der Personenbahnhof direkt an der Hafenmole. Die Passagiere konnten somit ebenerdig auf kürzestem Wege zwischen Zügen und Schiffen umsteigen. Der Trajektkahn im Vordergrund wird soeben mit Güterwaggons beladen.

Rorschach, um 1900
Postkarte Sammlung Bönke 

Der Rorschacher Hafen war sehr viel älter und deutlich kleiner als der in Romanshorn. Die Umstiegswege zwischen Bahn und Schiff waren hier jedoch ebenfalls sehr kurz.

Friedrichshafen, um 1900
Postkarte 

In Friedrichshafen lag der Endbahnhof der Südbahn in der Stadt.
Die Verbindung zum Hafen wurde über ein Anschlussgleis hergestellt.

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