Die Frachtschifffahrt auf dem Bodensee

Güterboote im Schlepp von Dampfern

Am Anfang der Dampfschifffahrt war der Gütertransport das Hauptgeschäft der Schifffahrtsgesellschaften, Passagiere wurden quasi nur als „Beiladung“ mitgenommen. Wegen der langwierigen Be- und Entladungsvorgänge richteten sich die Abfahrtszeiten der Dampfer nur bedingt nach Fahrplänen. Abgefahren wurde erst, wenn der Ladevorgang beendet war. Nach Aufnahme des Eisenbahnverkehrs entwickelte sich die Personenbeförderung aber bald zu einem lukrativen Geschäftsfeld. Dabei konnte es an Deck schon mal eng werden, da die Passagiere sich den Platz mit Tieren, Kisten, Säcken und sonstigem Ladegut teilen mussten. Auch die Güterverladung wurde nicht einfacher, wenn gleichzeitig Passagiere aufgenommen oder abgesetzt werden mussten. Daher gingen die Gesellschaften mehr und mehr dazu über, Frachtgüter gesondert auf Kähne zu verladen. Anfangs wurden dafür die von den Schifferzünften aufgekauften Lastensegler verwendet. Schon bald reichten diese aber nicht mehr aus, so dass man in den 1850er Jahren spezielle Güterboote baute.

Hafenszene in Friedrichshafen, um 1875
Sammlung Böhnke

Nach 1850 nimmt die Personenschifffahrt auf dem Bodensee schnell zu. Recht lebhaft ist auf dieser Ansicht die Einschiffung der Passagiere und die Verladung des Gepäcks dargestellt.  

Frachtensegler und Dampfschiff im Hafen Bregenz, um 1900
Archiv der Landeshauptstadt Bregenz

Zur Entflechtung des Waren- und Personentransportes wurden Frachtgüter zunehmend auf Lastensegler verladen. Diese konnten unabhängig von den Abfahrtszeiten der Kursdampfer be- und entladen werden. Nach Beendigung des Ladevorgangs wurden sie von dem nächstfahrenden Dampfschiff in Schlepp genommen.

Güterboot Meersburg im Hafen Konstanz, 1908
Stadtarchiv Konstanz

Die Frachtensegler wurden schon bald durch größere Güterboote ersetzt. Ausgerüstet mit einem Segelmast konnten diese bei günstigen Windbedingungen eigenständig segeln. Bei Windstille oder ungünstigen Wetterverhältnissen wurden sie von den im Kursverkehr fahrenden Dampfern in Schlepp genommen. Die Besatzung bestand aus Schiffsführer und einem Matrosen. Da die Boote meist mehrere Tage lang unterwegs waren, waren sie mit Unterkunfts- und Schlafräumen sowie einer kleinen Kombüse ausgestattet.

Güterboote im Lindauer Hafen, 1908
Postkarte,
Sammlung Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum

Die bis zu 28 m langen Güterboote hatten einen Stahlrumpf und konnten 60-100 Tonnen Ladung an Bord nehmen. Das vom Bug zum Heck durchgehende Schiffsdeck besaß mehrere Luken zum Verstauen der Ladung, sperrige Güter wurden auf dem Deck transportiert. Die Segelausrüstung wurde in späteren Jahren vielfach demontiert.

Güterschleppboot Seehafen Romanshorn, um 1900
Postkarte, Sammlung Bönke

Auf diesem Güterboot wurde der Segelmast bereits entfernt. Die Besatzung wartet auf das im Hintergrund manövrierende Dampfschiff, das das Boot in Schlepp nehmen wird. Mit einem Ruderboot wurde die Schlepptrosse vom Dampfschiff zum Schleppboot verholt. Das Bild verdeutlicht auch die Vielfalt der in Fässern, Kisten und Leinentuch transportierten Waren.

Dampfschiff Leopold II mit Güterschleppboot bei Einfahrt Hafen Konstanz, 1892
Stadtarchiv Konstanz

Mit langsamer Fahrt läuft Dampfschiff Leopold in den Hafen ein. Wenn unterwegs mehrere Anlegestellen angefahren wurden, mussten die Schleppboote vor dem Anlegen abgehängt und nach dem Ablegen wieder ins Schlepptau genommen werden. Bei Schiffskursen mit mehreren Stationen nahmen diese umständlichen Manöver Zeit in Anspruch, so dass Verspätungen keine Seltenheit waren.

Dampfschiff Rhein mit Güterschleppboot bei Einfahrt Hafen Lindau, 1893
Foto Zabuesnig, Sammlung R. Niemann

Bei mittelgroßen und kleineren Häfen wurde die Schleppleine bereits in der Hafeneinfahrt losgeworfen und das Güterboot steuerte eigenständig mit der Restfahrt die Mole an.

Dampfschiff Säntis mit Güterschleppboot bei Einfahrt Hafen Lindau, 1914
Foto Gebr. Metz

Güterschleppboote wurden noch bis in die 1920er Jahre eingesetzt. Das Foto zeigt, dass einige Boote sogar ihre Segelmasten noch behielten

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