Die kaiserlich-königliche Schiffsflotte Österreichs

Maritime Schifffahrt auf dem Bodensee

Als am 15.September 1884 die Arlbergbahn eröffnet wurde, endete nicht nur die verkehrliche Isolation Vorarlbergs vom Stammland Österreich, sondern es erschien erstmals auch die österreichisch-ungarische Flagge auf dem Bodensee. Zeitgleich mit dem Bau der Arlbergbahn bereiteten die kaiserlich-königlichen österreichischen Staatseisenbahnen die Gründung einer Dampfschifffahrtsgesellschaft vor. Die Hafenanlage in Bregenz konnte im selben Jahr der Eröffnung der Arlbergbahn vollendet werden. Außerdem wurde ein großes Schiffsbauprogramm mit insgesamt acht Schiffen aufgelegt und zügig umgesetzt. Mit dem Erscheinen Österreichs auf dem Bodensee erhielt die gesamte Bodensee-Dampfschifffahrt in mehrfacher Hinsicht wesentliche Impulse. Österreich setzte neue Maßstäbe bei Ausbildung und Qualifikation des Schiffspersonals. Als größter Staat am Bodensee hatte es Zugang zum Mittelmeer mit der in Triest stationierten Handels- und Kriegsmarine, aus denen die für den Schiffsdienst auf dem Bodensee benötigten Offiziere rekrutiert werden konnten. Aufgrund ihrer Ausbildung bei der k.k. Kriegsmarine war das österreichische Schiffspersonal qualifizierter ausgebildet als das der anderen Dampfergesellschaften. Allerdings musste sich die an die große Wasserfläche des Meeres gewöhnte Bemannung der Dampfschiffe erst in die bescheideneren Verhältnisse des Bodensees hineinfinden (E.Krumholz). Vor der Betriebseröffnung absolvierten die Offiziere Instruktionsfahrten auf bayerischen Dampfschiffen, um mit den regionalen Gegebenheiten und den nautischen Grundlagen am Bodensee vertraut zu werden.

k.k.Korvettenkapitän Emil Krumholz
Archiv der Landeshauptstadt Bregenz

Am 1. Dezember 1883 nahm die k.k. Bodensee-Dampfschiffahrts-Inspektion Bregenz ihre Geschäftstätigkeit auf. Leitender Beamter war Emil Krumholz, dessen Weitblick und Tatkraft sich nicht nur auf die österreichische, sondern auf die gesamte Bodensee-Schifffahrt auswirkte. Krumholz setzte neue Standards beim Bau und bei der Ausstattung der Dampfschiffe und legte dabei besonderen Wert auf die Betriebssicherheit. Er initiierte die Markierung von Untiefen und Schifffahrts-Hindernissen, die Festlegung von Kompass-gesteuerten Schiffskursen, und die Vereinheitlichung des Signalwesens. Unter seiner Federführung entstand die erste nautische Schifffahrtskarte des Bodensees.

Bau der Dampfschiffe Austria und Habsburg, Juni 1884 Archiv der Landeshauptstadt Bregenz

Die Schwesterschiffe Austria und Habsburg waren konventionelle Glattdeck-Dampfer, die in Bregenz von der Schiffswerft Linz auf einer provisorischen Werftanlage gebaut wurden. Die Verbund-Dampfmaschinen und Kessel lieferte Escher Wyß & Co. Bei rund 50 m Schiffslänge und einer Breite bei den Radkästen von knapp 12 m konnten die Dampfer jeweils 360 Fahrgäste aufnehmen.

Trajektanlage Bregenz, vermutlich um 1890 Archiv der Landeshauptstadt Bregenz

Beim Bau des Hafens wurde sogleich eine Trajektanlage gebaut. Von Bregenz aus wurde im Ost-West-Längsverkehr hauptsächlich Konstanz angefahren, aber auch Romanshorn, Friedrichshafen und Lindau.

Trajektanlage Bregenz, um 1886
Archiv der Landeshauptstadt Bregenz

Äußerst beengt ging es bei der Trajektmole in Bregenz zu. Rechts ist ein bereits beladenener Trajektkahn zu erkennen.

Die Trajektschifffahrt ab 1884
Kartengrundlage Stieler’s Hand-Atlas Karte Bodensee 1878,
Grafik S.Stern,

Mit dem Einstieg Österreichs in die Schifffahrt des Bodensees wurden zusätzlich der im Nord-Süd-Verkehr betriebenen Strecken weitere Kurse in Ost-West-Längsrichtung eingerichtet. Diese bestanden aber nur ungefähr zwei Jahrzehnte, denn mit Ausbau der Bahnstrecken rings um den See (LINK) wurde die Trajektschifffahrt in Ost-West-Richtung des Bodensees unwirtschaftlich.

Die Dampfschiffe Austria und Habsburg im Bregenzer Hafen, um 1890
Stadtarchiv Lindau

Die beiden Schwesterschiffe Dampfschiff Austria (links) und ihr Schwesterschiff Habsburg (Mitte) vereint im Hafen Bregenz. Rechts ist das württembergische Dampfschiff Christoph zu erkennen, das vermutlich den dahinter zu erkennenden Trajektkahn im Schlepp nach Friedrichshafen oder Konstanz bringen wird.  Mit dem repräsentativen und wuchtigen Gebäude des Post- und Telegraphenamtes direkt hinter dem Hafengebäude hatte der Hafen ein großstädtisches Gepräge.

Trockendock Hafen Bregenz, 1891 Archiv der Landeshauptstadt Bregenz

Als einziger Hafen am Bodensee hatte Bregenz ein Trockendock, in dem die Schiffe gebaut und repariert wurden. Der Salondampfer Kaiser Franz-Josef I. steht kurz vor der Fertigstellung. Im Hintergrund ist das am Molo liegende Dampfschiff Austria zu sehen.

 

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